Sep 3 / Felix | Rettungssanitäter

Fieberkrampf beim Kind: Was tun?

Erste Hilfe beim Fieberkrampf

Dein Kind wird bei Fieber plötzlich steif, zuckt und reagiert nicht mehr? Ein Fieberkrampf sieht bedrohlich aus, hört aber meist nach zwei bis drei Minuten von allein auf. Entscheidend ist, was du in diesen Minuten tust — und ab wann du den Notruf wählst.

Woran du einen Fieberkrampf erkennst

Ein Fieberkrampf ist ein epileptischer Anfall, der bei Fieber ab 38 °C auftritt — meist zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 6. Lebensjahr, am häufigsten um den zweiten Geburtstag. Etwa zwei bis fünf von hundert Kindern erleben einen. Er hat nichts mit Epilepsie zu tun und entsteht nicht dadurch, dass du das Fieber zu spät gesenkt hast.

Typisch ist: Dein Kind verliert das Bewusstsein, wird steif oder schlaff, Arme und Beine zucken rhythmisch, die Augen sind verdreht oder starr, die Lippen können sich blau färben. Manche Kinder nässen ein oder erbrechen. Oft steigt das Fieber gerade erst — nicht selten ist der Krampf das erste Zeichen des Infekts.

Merkregel: Erst die Uhr, dann alles andere.

Schau als Erstes auf die Uhrzeit. Die Dauer entscheidet über jeden weiteren Schritt — und im Anfall verschätzt man sich fast immer nach oben.

Im Anfall: Das tust du Schritt für Schritt

Du kannst den Anfall nicht stoppen. Deine Aufgabe ist es, dein Kind vor Verletzungen zu schützen, die Zeit im Blick zu behalten und den Notruf zu wählen, wenn es zu lange dauert.

Gegenueberstellung: links ein Kleinkind in Seitenlage auf einer weichen Unterlage, der Kopf abgepolstert, die Umgebung freigeraeumt; rechts durchgestrichen ein Loeffel im Mund und das Festhalten der Arme.
Schuetzen statt eingreifen: Boden, Polsterung und freie Umgebung helfen - Festhalten und Gegenstaende im Mund schaden.
  1. Merke dir die Uhrzeit. Ab jetzt läuft die Fünf-Minuten-Grenze. Wenn eine zweite Person da ist, lass sie die Zeit stoppen.
  2. Bring dein Kind in Sicherheit. Lege es auf den Boden oder eine feste, flache Unterlage, damit es nicht stürzt. Räume harte und spitze Gegenstände aus dem Weg und polstere den Kopf ab.
  3. Öffne beengende Kleidung. Kragen, Body oder Schlafsack lockern, damit die Atmung frei ist. Das Kind bleibt sonst angezogen.
  4. Halte dein Kind nicht fest. Die Zuckungen lassen sich nicht unterdrücken, festhalten kann Muskeln und Gelenke verletzen. Bleib dicht daneben und sprich ruhig weiter.
  5. Filme den Anfall, wenn jemand dabei ist. Ein kurzes Video hilft der Ärztin oder dem Arzt später enorm bei der Einordnung — es zeigt, ob der Anfall den ganzen Körper betraf oder nur eine Seite.
  6. Nach dem Anfall: stabile Seitenlage. Sobald die Zuckungen aufhören, drehst du dein Kind auf die Seite, damit Erbrochenes ablaufen kann. Prüfe, ob es normal atmet, und bleib dabei, bis es wieder ansprechbar ist.

Einfacher Fieberkrampf oder Fall für den Notruf?

Rund drei Viertel aller Fieberkrämpfe verlaufen unkompliziert: Sie betreffen den ganzen Körper, dauern weniger als 15 Minuten und wiederholen sich innerhalb von 24 Stunden nicht. Fachlich wird zunehmend schon ab fünf Minuten Dauer eingegriffen — und für dich zu Hause ist genau das die Grenze.

Anfall endet von allein

Ruhig bleiben, danach zum Arzt

  • Der Anfall hört innerhalb weniger Minuten von selbst auf.
  • Beide Körperhälften sind gleichmäßig betroffen.
  • Dein Kind wird danach schrittweise wieder wach.
  • Trotzdem gilt: Beim ersten Fieberkrampf immer noch am selben Tag ärztlich abklären lassen.
Sofort 112

Jetzt den Rettungsdienst rufen

  • Der Krampf dauert länger als 5 Minuten.
  • Es ist der erste Krampf deines Kindes.
  • Dein Kind ist jünger als 6 Monate.
  • Nur eine Körperhälfte zuckt oder der Anfall wiederholt sich.
  • Dein Kind atmet nicht normal, bleibt blau oder wacht nicht auf.

Was du auf keinen Fall tun solltest

  1. Nichts zwischen die Zähne schieben. Weder Finger noch Löffel oder Tuch. Dein Kind kann die Zunge nicht verschlucken — aber es kann sich an dem Gegenstand verletzen oder daran ersticken.
  2. Nicht festhalten und nicht schütteln. Der Anfall lässt sich dadurch nicht verkürzen.
  3. Nicht kalt abduschen oder ins Wasser setzen. Kälteschock hilft nicht gegen den Krampf und belastet den Kreislauf zusätzlich.
  4. Dein Kind nicht ausziehen und auskühlen lassen. Fiebernde Kinder sollen nicht entkleidet und niedrigen Temperaturen ausgesetzt werden.
  5. Kein Fiebersaft und kein Zäpfchen im Anfall. Solange dein Kind nicht wach und schluckfähig ist, gibst du nichts in den Mund.
  6. Nichts zu trinken geben, bevor dein Kind wieder ansprechbar ist. Erbricht es in der Nachschlafphase, kann es sich verschlucken — was dann zu tun ist, steht im Ratgeber Baby verschluckt sich – was tun?

Nach dem Anfall: Nachschlafphase und Arztbesuch

Nach dem Krampf sind viele Kinder tief erschöpft, schlafen ein oder wirken benommen. Diese Nachschlafphase ist normal und kann eine halbe Stunde und länger dauern. Lege dein Kind in die stabile Seitenlage, beobachte die Atmung und bleib dabei.

Nach dem ersten Fieberkrampf gehört dein Kind ärztlich untersucht — auch wenn es danach wieder munter wirkt. Geklärt werden muss, woher das Fieber kommt und ob eine andere Ursache hinter dem Anfall steckt. Bei einem länger dauernden, einseitigen oder wiederholten Anfall erfolgt die Abklärung in der Klinik.

Manche Kinder bekommen nach wiederholten Fieberkrämpfen ein Notfallmedikament für zu Hause verordnet. Das wird immer ärztlich verschrieben und persönlich eingewiesen — ohne Verordnung gibst du im Anfall keine Medikamente.

Fieber senken: Was wirklich hilft — und was nicht

Fiebersenkende Mittel verhindern keine Fieberkrämpfe. Das ist in Studien untersucht: Mit und ohne Fiebersenker trat ein Krampf etwa gleich häufig auf. Du musst also nicht aus Angst vor einem Anfall gegen jede Temperatur ansteuern — und du hast nichts falsch gemacht, wenn dein Kind trotzdem krampft.

  • Nach Wohlbefinden dosieren, nicht nach Thermometer: Fiebersenker helfen gegen Schmerzen und Abgeschlagenheit — und nur so lange, wie dein Kind darunter leidet.
  • Wadenwickel nur bei warmen Händen und Füßen und körperwarm angelegt, sonst gegenreguliert der Körper.
  • Trinken anbieten, denn Fieber erhöht den Flüssigkeitsbedarf.
  • Säuglinge unter 3 Monaten mit Fieber ab 38 °C gehören immer zeitnah ärztlich untersucht.

Wie geht es weiter? Wiederholung und Epilepsierisiko

Etwa zwei Drittel der Kinder erleben genau einen Fieberkrampf, bei einem Drittel folgt ein weiterer. Wahrscheinlicher wird eine Wiederholung, wenn dein Kind beim ersten Anfall jünger als 18 Monate war, nur kurz vorher Fieber bekam, die Temperatur dabei eher niedrig lag oder Fieberkrämpfe in der Familie vorkommen.

Die Sorge, die fast alle Eltern umtreibt: Etwa 96 von 100 Kindern mit Fieberkrampf entwickeln keine Epilepsie. Die kognitive Entwicklung wird durch einfache Fieberkrämpfe nicht beeinträchtigt.

Häufige Fragen zum Fieberkrampf

Wie lange darf ein Fieberkrampf dauern?

Die meisten Anfälle hören nach zwei bis drei Minuten von selbst auf. Dauert der Krampf länger als fünf Minuten, ruf 112 — ab dieser Grenze wird ein Anfall medizinisch unterbrochen.

Muss ich bei jedem Fieberkrampf den Notruf wählen?

Nein. Endet der Anfall innerhalb weniger Minuten von selbst und ist es nicht der erste, reicht die ärztliche Vorstellung danach. Sofort 112 gilt beim ersten Krampf, bei mehr als fünf Minuten Dauer, bei Kindern unter sechs Monaten, bei einseitigen oder wiederholten Anfällen und wenn dein Kind nicht normal atmet oder nicht aufwacht.

Kann mein Kind die Zunge verschlucken oder ersticken?

Die Zunge kann nicht verschluckt werden. Gefährlich wird erst, was Eltern in guter Absicht in den Mund schieben. Lege dein Kind nach dem Anfall auf die Seite, damit Speichel und Erbrochenes ablaufen können.

Bekommt mein Kind jetzt Epilepsie?

In aller Regel nicht. Nach einem Fieberkrampf entwickeln rund 96 Prozent der Kinder keine Epilepsie. Das Risiko ist gegenüber anderen Kindern leicht erhöht, bleibt aber klein.

Kann ich einen Fieberkrampf verhindern?

Nicht zuverlässig. Fiebersenkende Medikamente beugen einem Fieberkrampf nachweislich nicht vor und sollen nicht zu diesem Zweck gegeben werden. Was du vorbereiten kannst, ist dein eigenes Verhalten im Anfall.

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